Fünf Fragen an... Benno Signitzer


1. Wie kamen Sie zur Gesundheitskommunikation?
Anknüfungspunkt bei der Einrichtung spezifischer Lehrveranstaltungen zur Gesundheitskommunikation (= ein kleiner thematischer Schwerpunkt) im Jahr 1997 war der im Fachbereich für Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg seit 1983 bestehende Studienschwerpunkt Public Relations & Unternehmenskommunikation. Am Anfang gab es deshalb ein deutliches Bias in Richtung Kommunikationsmanagement und Kommunikationsplanung.

2. Welches sind Ihre Forschungsschwerpunkte, und haben oder planen Sie aktuelle Projekte?
Einerseits gibt es allgemeine Aufsätze zum Entwicklungsstand der kommunikationswissenschaftlichen Teildisziplin Gesundheitskommunikation, andererseits werden konkretere Fragestellungen - zumeist im Rahmen von Magisterarbeitsprojekten - behandelt, wie z.B. Alter und Kommunikation, die Rolle psychotherapeutischer Elemente in der Arzt-Patienten-Kommunikation, Kommunikation von und in Gesundheits-Selbsthilfegruppen, Kommunikationsmanagement von Krankenhäusern, Online-Kommunikation zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten, Kommunikationsplanung im Zusammenhang mit Vorsorgekampagnen, etc.

3. Gesundheitskommunikation ist für mich ...
Beim derzeitigen Entwicklungsstand der Gesundheitskommunikation bin ich ein Anhänger von vergleichsweise breiten Definitionen, wie z.B. jener von Kreps/Thornton: "Health communication is an area of study concerned mit human interaction in the health care process." In weiterer Folge wird es sicher zu besseren Fokussierungen der Definitionen kommen (allerdings unter Beibehaltung eines breiten Zugangs)

4. Wie beurteilen Sie aktuelle Tendenzen und Entwicklungen im Bereich der Gesundheitskommunikation, auch im Vergleich zu den USA?
Ein zentraler - und von mir sehr begrüßter - Trend geht in Richtung Integration der unterschiedlichen Ebenen der Gesundheitskommunikation: intrapersonal, interpersonal, Gruppen, Organisation, Community, makrosozial (inkl. Öffentliche Kommunikation). Die Konzeption des 2003 erschienen "Handbooks of Health Communication" hat hier ein ermutigendes Zeichen gesetzt. Problematisch wäre es nämlich aus meiner Sicht, wenn der Überbegriff Gesundheitskommunikation mit Ausschliesslichkeit auf Phänomene auf jeweils nur einer Ebene bezogen würde, etwa nur auf das ärztliche Gespräch, oder nur auf das Kommunikationsmanagement von Krankenhäusern, oder nur auf die Rolle von Kommunikation (bzw. Medien) in Gesundheitsvorsorgekampagnen, oder nur auf die Darstellung von Gesundheit/Krankheit in den Medien (Information und Unterhaltung) oder nur auf die Gesundheits- und Medizinpublizistik, oder nur auf die Pharma-Kommunikation etc.


5. Auf welche (Forschungs-)Frage möchten Sie in Ihrem Leben unbedingt noch eine Antwort finden?
Von zentraler Wichtigkeit erscheint die Frage nach dem (missing) link zwischen Gesundheit und Kommunikation, die auch nach fast 40 Jahren wissenschaftlicher Beschäftigung mit Gesundheitskommunikation (in Nordamerika) weitgehend unbeantwortet bleibt. Wir operieren hier vorzugsweise mit Vermutungen und Behauptungen, gelegentlich auch mit Wunschvorstellungen. Denn allein durch das "Pushen" der Verwendung des Begriffes "Gesundheitskommunikation" werden wir diese Verknüpfung nicht herbeireden können. Unbestritten erscheint aber, dass die Nachhaltigkeit des Erfolges von Gesundheitskommunikation u.a. darin liegen wird, diesen link anspruchsvoll und konzeptuell ausdifferenziert zu etablieren, nicht zuletzt auch hinsichtlich der Qualität unserer Beziehungen zum medizinischen System.

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