Fünf Fragen an... Dr. Margret Büning-Fesel


Dr. Margret Büning-Fesel


1. Wie kamen Sie persönlich zur Ernährungskommunikation?


Zunächst natürlich durch meine Tätigkeit als aid-Redakteurin, indem ich verschiedenste Publikationen zu diversen Ernährungsthemen betreut habe. Mit neuen und ungewöhnliche Wegen der Ernährungskommunikation habe ich mich dann als Koordinatorin der Kampagne "Talking Food" auseinandergesetzt. Hier ging es darum, Jugendliche auf unkonventionelle Art und Weise für das Thema Lebensmittelsicherheit zu interessierten, zum Beispiel über einen Medienwettbewerb, eine interaktive Ausstellung oder den Aufbau eines neuen Internet-Portals für die Zielgruppe (vgl. www.talkingfood.de).
Als Leiterin des gesamten aid habe ich nun die Möglichkeit, verschiedenste Ideen und Konzepte zur Ernährungskommunikation voranzubringen und umzusetzen, wie vor vielen Jahren schon das Verbraucherportal "www.was-wir-essen.de", die aid-Ernährungspyramide oder aktuell den aid-Ernährungsführerschein. Im Rahmen der jährlichen aid-Veranstaltung "aid-Forum" befassen wir uns seit 2005 regelmäßig mit verschiedensten Aspekten der Ernährungskommunikation.

2. Welche aktuellen Projekte oder Initiativen beschäftigen den aid gerade im Bereich Ernährungskommunikation?

Unser aktuell erfolgreichstes Projekt ist sicherlich der aid-Ernährungsführerschein, ein Unterrichtskonzept für den Sachkundeunterricht in der Grundschule, bei dem die Kinder mit allen Sinnen den Umgang mit Lebensmitteln und das Zubereiten kleiner Mahlzeiten kennen lernen (vgl. www.aid-ernaehrungsfuehrerschein.de).
Ein weiterer Schwerpunkt ist die aid-Ernährungspyramide, welche in diesem Sommer noch einmal überarbeitet und aktualisiert wurde. Sie ist ein einfaches didaktisches System, mit dem Kinder und Erwachsene ihr Ernährungsverhalten prüfen und optimieren können. In einer Befragung gaben mehr als 1.600 Experten der Ernährungsberatung der aid-Ernährungspyramide Bestnoten in Bezug auf Verständlichkeit und Alltagstauglichkeit (vgl. www.aid-ernaehrungspyramide.de).

3. Der aid bietet mehrere Internetplattformen zur Ernährung an (siehe Frage 1), ebenso Radiobeiträge für Journalisten. Welche Erfahrungen haben Sie bei der Thematisierung von Ernährungsthemen in Massenmedien gemacht?

Hier haben wir die Erfahrung gemacht, dass konkrete, alltagstaugliche Tipps immer am besten ankommen. Bei viel diskutieren Themen, wie Analogkäse, ESL-Milch oder Lebensmittel-Kennzeichnung kommt es darauf an, die Thematik neutral und ausgewogen darzustellen, um Entscheidungshilfen zu geben.
Warenkundliche Themen treffen immer auf ein sehr hohes Interesse: "Woher kommt unser Essen?" "Wie wird es verarbeitet" "Was ist empfehlenswert?" Aktuell gibt es eine Serie zum Thema "Speisefette" in unserem PresseInfo, die gut nachgefragt und abgedruckt wird. Lebensmittelkennzeichnung ist im Moment ein Dauerthema, insbesondere vor dem Hintergrund der Ampel-Diskussion. Unsere Meinung dazu ist, dass keine noch so gute Kennzeichnung bei Lebensmitteln ein fundiertes Grundwissen in Ernährungsdingen bzw. eine gute Ernährungsbildung ersetzen kann.

4. Welche Ernährungsthemen - und für welche Zielgruppen - sollten in Zukunft stärker (öffentlich) kommuniziert werden?

Zunächst einmal sollte der Themenkomplex Ernährungs- und Verbraucherbildung sehr viel stärker im Rahmen der Allgemeinbildung verankert werden. Nicht unbedingt als eigenes Fach, denn hier gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte in vielen Schulfächern von Sachkunde über Biologie und Chemie bis hin zu Gemeinschaftskunde und Politik, in denen Ernährungsthemen aufgegriffen werden können.
Leider ist es nicht mehr selbstverständlich, dass das Wissen über die Herkunft der Lebensmittel, deren Verarbeitung, der Umgang mit und die Zubereitung von frischen Lebensmitteln und der kritische Blick auf unser vielfältiges Lebensmittel-Angebot innerhalb der Familien vermittelt werden. Hier wird die Schule in Zukunft eine größere Rolle spielen müssen, um sicherzustellen, dass unseren Kindern die notwendigen Alltagskompetenzen in Sachen Ernährung mitgegeben werden. Nicht nur theoretisch sondern auch praktisch im Sinne eines hochwertigen Verpflegungsangebotes in der Schule.
Im Hinblick auf die Präsentation von Ernährungsthemen in den Medien sollte als Ziel angestrebt werden, eine bessere "Food Literacy" zu erreichen im Sinne der Fähigkeit, den Ernährungsalltag selbstbestimmt, verantwortungsbewusst und genussvoll zu gestalten (vgl. www.food-literacy.de).

5. Wenn Sie einen Wunsch an deutsche Forscher richten könnten, die sich mit Ernährung und Massenmedien beschäftigen: Was sollte ganz bald dringend erforscht werden?

Zahlreiche Massenmedien, von Print bis TV, haben das Thema Ernährung und Lebensmittel ja breit für sich entdeckt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht auf irgendeine Weise über Ernährung oder Lebensmittelherstellung berichtet wird, ganz zu schweigen von der Inflation an Kochsendungen. Doch was bewirkt das beim Zuschauer? In welcher Art und Weise muss Ernährungskommunikation geschehen, damit die Inhalte und Botschaften auch ankommen und im Alltag umgesetzt werden (Stichwort Handlungskompetenz vermitteln)?
Komplizierte Rezepte von Sterneköchen sind nicht alltagstauglich. Hierzu sind sozialwissenschaftliche Forschungsansätze gefragt, die untersuchen, welche Botschaften und Informationen (z. B. im Hinblick auf die Kennzeichnung von Lebensmitteln) am besten ankommen und auch Auswirkungen auf das Alltagshandeln haben. Nach wie vor spannend ist auch die Frage, warum "Entertainment Education" zu Ernährungsthemen so wenig vorkommt in der deutschen Medienlandschaft, z. B. in Soaps und ähnlichen Serien.




Kontakt

Dr. Magret Büning-Fesel
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Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e. V.
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Tel.: 0228 84 99 100
E-mail: m.buening@aid-mail.de

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