Wer krank ist, geht ins Netz.

Eine empirische Untersuchung über medizinische Medienangebote sowie Medien- und Internetnutzung im Krankheitsverlauf

Abstract der Ergebnisse

Zur Angebotsanalyse
In den klassischen Massenmedien ist Medizinjournalismus selbstverständlicher Teil des redaktionellen Angebots. Medizinjournalismus wird in Tageszeitungen, Wochenzeitungen und Publikumszeitschriften beständig, aber nicht überall regelmäßig angeboten, ebenso im Fernsehen. Die meisten Berichte konzentrieren sich auf die bekannten, schweren, eher epidemiologischen Krankheiten. Die redaktionelle Einordnung in Printmedien erfolgt häufig im Rahmen von Wissenschaftsberichterstattung bzw. auf Sonderseiten oder Specials. Auch die Wochen- und Sonntagszeitungen spielen eine beachtliche Rolle. Auf dem Zeitschriftensektor konturiert sich mehr und mehr ein neues Segment "Gesundheitszeitschriften" heraus. Im Fernsehen ist die Medizinberichterstattung überwiegend in Magazinsendungen eingebaut, die sich auch mono- oder polythematisch auf Medizinthemen konzentrieren. Akromegalie ist im Stichprobenzeitraum der Untersuchung kein Thema. Im Internet finden sich für medizinische Informationen vielfältige Angebote mit unterschiedlichen Anforderungen an Interaktivität und Medizinkompetenzen. Die Angebote umfassen Content (z. B. Gesundheitsportale), Communities (z. B. Patienteninitiativen) und Provisions (z. B. zur Vermittlung mit Kliniken). Die Suche wird jedoch durch mangelnde Übersichtlichkeit und unzureichende Quellenangaben erschwert. Angebote zur Akromegalie sind im Linksystem nicht optimal verankert.

Zur Befragung von Patienten
Die meisten Akromegalie-Patienten haben ein intensives Informationsbedürfnis zum Zeitpunkt ihrer Diagnose. Nur eine kleine Gruppe besteht aus Informationsverweigerern Unterschiedliche Phasen im Krankheitsverlauf sind mit unterschiedlichen Informationsbedürfnissen verbunden. Der Höhepunkt liegt nach der Diagnose und vor den Therapieentscheidungen. Nach der Operation bzw. nach Abklingen der Symptome pegelt sich das aktive Informationssuchverhalten wieder auf ein reduziertes Maß ein. Vor der Diagnose hatten einige Patienten phasenweise nach Informationen gesucht, insbesondere auch im Internet, jedoch vergebens. Das Internet erweist sich als zentrales Medium bei der Informationssuche im Krankheitsverlauf, insbesondere zum Zeitpunkt der Diagnose und als Entscheidungsgrundlage für die Therapie. Der gesamte Informations- und Kommunikationsablauf in der Phase der Diagnose ist auf vielfältige und komplexe Weise gegliedert. Informationsgespräche mit den behandelnden Ärzten bleiben zentral. Die Patienten selbst, aber auch ihre Angehörigen und Bekannten suchen ergänzend nach Informationen, um die medizinischen Befunde zu verstehen und Entscheidungen zur Therapie treffen zu können. In diesem Informationssuchprozess spielt das Internet eine maßgebliche Rolle, insbesondere bei jüngeren und höher gebildeten Personen. Dabei kommt es zu typischen kommunikativen Arbeitsteilungen und Kooperationen zwischen Patienten und ihren Angehörigen bzw. Bekannten.

Zum Navigationsexperiment
Entscheidendes Kriterium für den Ertrag und die subjektive Zufriedenheit mit der Informationssuche ist die spezifische Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet. Es werden unterschiedliche, zum Teil überzeugende systematische Suchstrategien eingeschlagen, die jedoch mangels elaborierter Angebote zurzeit nicht von Erfolg gekrönt sein können. Insbesondere die Suchstrategie nach einem einschlägigen "Diagnosetest" muss gegenwärtig fehlschlagen.

Fazit
Wer krank ist, geht ins Netz. - Diese Aussage kann als Kernbefund der Studie und zugleich als Prognose für die zukünftige Entwicklung gelten: Menschen, die erkranken, informieren sich, ergänzend zum Informationsgespräch mit den behandelnden Ärzten, aus dem Internet. Für die Anbietersuche - Ärzte, Kliniken, Verbände, Initiativen, Pharmaunternehmen - empfiehlt sich daher nachdrücklich, nutzerfreundlichere Angebote im Internet bereit zu stellen.


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