Fünf Fragen an... Prof. Dr. Peter-Ernst Schnabel
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| 1. Wie kamen Sie in Ihrem Forschungsgebiet Gesundheitswissenschaften zur Gesundheitskommunikation?
Wenn man diejenigen meiner (der ersten) Generation betrachtet, die sich heute als Gesundheitswissenschaftler empfinden, dann muss man sich klar darüber sein, dass sie in der Regel aus anderen, wir sagen, den Grundlagenwissenschaften von Public Health, stammen und keine ausgebildeten Gesundheitswissenschaftler sind. Es sind Mediziner, Soziologen, Pädagogen, Ökonomen, Psychologen, Naturwissenschaftler usw., die sich heute, rd. 20 Jahre nach dem Entstehen der ersten gesundheitswissenschaftlichen Fachbereiche an Universitäten und Fachhochschulen, immer noch auf einer z. T. sehr persönlichen Suche nach fachlicher Iden-tität und einem einheitlichen von allen gleichermaßen anerkannten Gegenstand befinden. Als derart Suchender bin ich bei der Gesundheitskommunikation als Forschungsthema zum Einen wohl deshalb gelandet, weil ich mich als Soziologe und Sozialisationsforscher schon immer mit Kommunikation als dem zentralen Medium der Vermittlung und des Erwerbs der gesellschaftlichen Überlebensfähigkeit von Menschen interessiert habe. Zum Anderen meine ich, mit dem Kommunikationsphänomen und mit der kommunikativen Kompetenz, wie sie von den Menschen im Lebenslauf erworben und nicht nur zum eigenen Nutzen, sondern auch zum Nutzen der von uns - wie die Luft zum Atmen benötigten - Kommunikationspartner eingesetzt wird, ein ganz zentrales Instrument in der Hand zu haben, welches mir hilft zu verstehen, was Gesundheit ist, wie sie hergestellt, aufrecht erhalten aber auch wie sie gefördert werden kann. Allerdings fasse ich dabei den Begriff der Gesundheitskommuni-kation sehr viel weiter als es Kommunikations- und Medienwissenschaftler (s. u.) tun; weiter aber auch als viele meiner Kollegen, die unter Gesundheitskommunikation überwiegend nur das Reden über Gesundheit und vor allem Krankheit verstehen. Durch Kommunikation als dem zentralen Medium sozialen Lernens werden wir gesundheitsfähig und nur durch kompe-tentes Kommunizieren mit uns selbst und anderen sind wir in der Lage, unsere Gesundheit - auch gegen Widerstand - aufrecht erhalten. | ||
| 2. Wo sehen Sie Ihre Forschungsschwerpunkte innerhalb der Gesundheitskom-munikation; welche aktuellen Projekte oder Initiativen planen Sie?
Als Mitbegründer der Fakultät für Gesundheitswissenschaften interessiere ich mich heute noch sehr stark dafür, wie man Studierende auf gesundheitskommunikativem Wege derart ausbilden kann, dass sie später im Beruf dazu fähig sind, die Botschaft der Gesundheit (s. u.) auf wirkungsvolle und nachhaltige Weise und gegen den Widerstand zahlreicher Lob-byistengruppen in die Gesellschaft hineinzutragen. Zur Zeit testen wir die Effekte von blen-ded learning , einer besonderen Form lehrender Kommunikation, und untersuchen anhand des beruflichen Schicksals der von uns ausgebildeten Gesundheitskommunikationsexper-tInnen und -experten, wie man deren Professionalisierungsprozess optimieren kann. Als Präventions- und Gesundheitsförderungsexperte suche ich natürlich auch nach Antworten auf die Frage, wie man dem vorbeugenden Versorgungshandeln durch erfolgreiches kom-munikationsstrategisches und gesundheitspolitisches Agieren, denjenigen Stellenwert innerhalb des bundesdeutschen Versorgungswesens erstreiten kann, der ihm vernünftiger Weise zukommen sollte. Darüber hinaus bin ich brennend an der Frage interessiert, was man auf gesundheitskommunikativem Wege tun kann, um dem skandalösen Tatbestand der Ungleichverteilung von Erkrankungsrisiken, aber auch von Zugriffschancen auf kurative und präventive Versorgungsdienstleistungen in unserer Gesellschaft wirksam entgegen zu treten. |
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| 3. Unter Gesundheitskommunikation verstehe ich … … die Gesamtheit aller mehr oder weniger organisierten Anstrengungen, die Botschaft der Gesundheit auf allen Ebenen (Individuen, Organisationen, ganze Gesellschaften) durch den Einsatz zielführender Strategien (Individualberatung, Organisationsentwicklung, aufklärende und informierende Kampagnen) und unter Verwendung geeigneter Medien (Buch, Presse, Funk, Fernsehen, Internet) zu verbreiten, um dadurch die Einstellungen und Verhaltenswei-sen der Menschen in einer Weise zu beeinflussen, die diese zu einer möglichst selbst be-stimmten, auf die Vermeidung von Krankheitsrisiken und die Stärkung von Gesundheits-ressourcen ausgerichteten Lebensführung befähigt. |
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| 4. Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten fallen Ihnen auf zwischen Gesund-heitswissenschaftlern einerseits, die sich mit Medien zur Gesundheitskommuni-kation beschäftigen, und Kommuninikationswissenschaftlern andererseits, die sich mit dem Thema Gesundheit auseinandersetzen.
Gemeinsamkeiten zwischen Kommunikations- und Medienwissenschaftlern einer und Ge-sundheitswissenschaftlern andererseits sehe ich einmal im theoretisch und methodisch fundierten Umgang mit der Materie, einerlei ob es sich um Kommunikation (mit Medien) oder Gesundheit handelt. Zum Zweiten scheint es eine beiderseitige Faszination gegenüber dem Gesundheitsthema zu geben. Diese gibt es auch in anderen Disziplinen, denn Gesundheit ist augenblicklich ein absolutes In-Thema. Ausgesprochen anregend sind aber die Resultate, wenn mit unterschiedlichem Fokus auf ein und denselben Gegenstand geschaut wird. Was beide Gruppen unterscheidet ist vor allem, dass erstere Gesundheit als eines unter anderen Themen betrachten, über die Menschen miteinander kommunizieren, und sich, wenn sie sich damit auseinandersetzen, dies verstärkt im Blick auf das Prozesshafte der Vermittlung, auf Fragen seiner technischen Unterstützung und pädagogisch-didaktischen Organisiertheit tun. Infolge dessen bringen sie es zu einem Expertenwissen über die Mikropolitiken zwischenmenschlicher Interaktion und Verständigung, die das Gros der Gesundheitswissenschaftler nicht besitzt aber dringend braucht, einerlei ob sie sich mit Gesundheitsberichterstattung, -systemgestaltung, -förderung oder -politik beschäftigen. Das oben erwähnte Ungleichverteilungs- und Versorgungsdilemma hat zwar nicht nur aber ganz wesentlich mit fehlender oder schlechter Kommunikation zwischen allen Beteiligten zu tun und kann - darüber ist man sich längst im Klaren - durch verbesserte Kommunikation gemindert werden. Was demgegenüber die Kommunikations- und Medienwissenschaftler von der Kooperation mit den Gesundheitswissenschaftlern haben, können letztere wohl besser beurteilen als ich. Ich nehme aber an, dass sie von unserem inzwischen erheblichen Detailwissen über Gesundheit profitieren können. Wie sonst wäre ihr Interesse an einer Kooperation, die wir innerhalb des Netzwerks "Medien und Gesundheitskommunikation" und auf einer gemeinsamen Tagung im April nächsten Jahres in Bielefeld intensivieren wollen, zu erklären. |
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| 5. Auf welche (Forschungs-)Frage möchten Sie in Ihrem Leben unbedingt noch eine Antwort finden? Mich hat schon immer brennend die Frage interessiert, auf welchem kommunikationsstrategischen Wege es gelingen könnte, die moderne Medizin, die in ihrem Namen politisch Agierenden und die Bevölkerung von einer unvernünftigen und teuren Überzeugung abzubringen: Nämlich dass man die eigentlich schon seit Jahrzehnten - durch die gesellschaftliche Alterung nun nur noch rasanter - auf uns zu rollende Welle chronischer Erkrankungen allein durch den Einsatz kurativer Mittel (mehr Medikamente, mehr Ärzte und Krankenhäuser, mehr Geld) bewältigen könne. | ||
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Universität Bielefeld Fakultät für Gesundheitswissenschaften Arbeitsgruppe 4: Prävention und Gesundheitsförderung Universitätsstraße 25 33501 Bielefeld Tel. 0521-106-3877 E-mail: peter-ernst.schnabel@uni-bielefeld.de |